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Luisa in Kanada

Ein riesiges Land mit kalten Wintern, atemberaubender Natur, wenigen, aber sehr freundlichen Menschen und einigen unbekannten großen Tieren- das verband ich vor meiner Abreise mit meiner neuen Heimat.

Viele Dinge fand ich bestätigt; doch muss ich sagen, dass Kanada noch weitaus mehr zu bieten hat.

Meine Reise sollte nach British Columbia gehen. Dies war für mich durchaus ein Grund zur Freude, denn diese Province, ganz im Westen von Kanada, gehört zu den schönsten des Landes. Mein neues Zuhause hieß von nun an Valemount (Valley in the Mountain) und wie der Name schon erkennen lässt, befand ich mich für 10 Monate mitten in den Rockies. Der Ort hatte ca. 1000 Einwohner und die dortige High School war mit ca. 150 Schülern auch eher überschaubar. Ich muss zugeben, dass ich anfangs etwas schockiert war, doch schnell stellte sich heraus, dass ich mir für meinen Aufenthalt keinen besseren Ort hätte wünschen können.

Meine Gastfamilie war wunderbar. Ich lebte mit einer weiteren Austauschschülerin aus der Slowakei zusammen und wir hatten immer sehr viel Spaß. Die Kinder der Gasteltern waren bereits aus dem Haus und nun sollten wir beide wieder etwas Schwung ins Familienleben bringen. Das hat auch durchaus funktioniert! Alle gemeinsam haben wir viele Ausflüge unternommen, denn bereits ein größerer Einkauf glich uns Europäern einer kleinen Urlaubsreise. Sechs Stunden Autofahren,  um zum nächsten Wall Mart zu gelangen, ist für Kanadier KEIN Problem. Aber ganz ehrlich, daran gewöhnt man sich schnell.

Auch sonst war die Eingewöhnung eher unproblematisch, denn Kanadier sind freundlich, offen und freuen sich über jedes neue Gesicht. So war es dann auch in der Schule. Schnell kannte jeder meinen Namen und ich fühlte mich bald als festes Mitglied dieser Gemeinschaft. Schule war Lebensmittelpunkt! Allerdings bedeutet Schule in Kanada nicht nur Lernen, sondern Spaß haben, gemeinsam Sport treiben, Musizieren, Reisen usw.

Ich wollte sowiel wie möglich von diesem mir so unbekannten School Spirit mitbekommen, so dass ich anfing Volleyball- und Basketball zu spielen. Im Frühling begann ich mit Mountainbiking und Leichtathletik. Natürlich durfte auch der Skikurs im Winter nicht fehlen, denn schließlich fiel im Oktober schon der erste Schnee (und blieb auch bis April liegen). Aufgrund dieser vielen sportlichen Aktivitäten fand ich sehr schnell Freunde und befand mich fast jedes Wochenende auf dem Weg zu einem Turnier, einem Camping-Wochenende oder einer Kanutour (Anfahrtsweg nur selten unter 5 Stunden).


Als ich zu Beginn meines Austauschjahres in diesem Ort ankam, hätte ich nie gedacht, dass ich mich dort einmal heimisch fühlen könnte. Jedoch gehört diese Zeit in Valemount zu den schönsten meines Lebens. Obwohl mein Aufenthalt nun schon vier Jahre zurück liegt, denke ich noch oft daran zurück. Viele tolle und einzigartige Erlebnisse verbinde ich mit meiner Zeit in Kanada. Ich habe ein zweites Zuhause am anderen Ende der Welt gefunden und dieses Gefühl ist wunderbar. Bereits zweimal habe ich meine Gastfamilie nach meinem Austauschjahr besucht und immer wieder fühle ich mich als Mitglied der Familie. Auch wenn ein Besuch nicht jedes Jahr möglich ist, weiß ich, dass ich immer dahin zurückkehren kann und mit offenen Armen empfangen werde.

Abschließend kann ich nur jedem, der mit dem Gedanken spielt, die Heimat eine Weile hinter sich zu lassen, raten, diesen Schritt zu gehen. Es macht unheimlich stolz, zurück zu blicken und zu wissen, dass man so manche schwierige Situation allein gemeistert hat.

Ich habe nach meinem Aufenthalt das Abitur beendet und dann begonnen in Rostock Medizin zu studieren. Als ich also anfing ganz allein auf eigenen Füßen zu stehen, war ich froh, schon etwas Übung zu haben. Nicht nur die englische Sprache ist für die Zukunft immer hilfreich, sondern auch die erworbene Selbstständigkeit und Selbstsicherheit.

Ich wünsche jedem zukünftigen Austauschschüler so viel Spaß und wunderschöne Eindrücke, die ein Leben lang im Gedächnis bleiben.


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