
Johanna in Italien
Ein Jahr Italien - auf dieses Abenteuer ließ ich mich ein, als ich zu meiner Gastfamilie nach Policoro in Süditalien flog. Ich freute mich sehr den Süden des Landes kennenzulernen, nachdem ich viele Regionen des Nordens schon als Touristin besucht hatte. Die Region Basilicata ist touristisch kaum erschlossen und in Deutschland weitgehend unbekannt, obwohl sie so viel zu bieten hat: Meer, grüne Berge und karge, wüstenähnliche Landschaften. Der perfekte Ort also, um das italienische Alltagsleben kennenzulernen!
In meiner Gastfamilie, die aus den Gasteltern, einer gleichaltrigen Gastschwester und einem bereits ausgezogenen Gastbruder bestand, fühlte ich mich von Anfang an wohl. Meine Gasteltern überraschten mich gleich am ersten Tag mit meinem Lieblingsessen und bemühten sich sehr, mir das Eingewöhnen zu erleichtern. Durch die meist offene Art der Italiener ist es auch wirklich nicht schwer Kontakte zu knüpfen und wenn man nur ein paar Worte italienisch kann, erntet man schon große Bewunderung.

Mit der Zeit wurde ich wirklich ein Teil meiner Familie und wurde so richtig verwöhnt wie viele italienische Jugendliche. Kleine Hausarbeiten wie Tisch decken und staubsaugen erledigte auch ich manchmal, doch alles andere gehörte eindeutig zum Kompetenzbereich meiner Gastmutter. Unvergesslich sind für mich ihre Kochkünste: Jeden Tag Pasta al Primo und danach noch eine leckere Secondo - noch immer vermisse ich das italienische Essen sehr!
Ich teilte mir ein Zimmer mit meiner Gastschwester. Natürlich fehlte mir da manchmal ein Rückzugsort und es gab auch hin und wieder kleine Streitigkeiten, doch wir haben uns ganz gut arrangiert und viel wichtiger als ein eigenes Zimmer war mir natürlich die gute Beziehung zu meiner Gastfamilie.
Ich besuchte ein liceo linguistico, also ein sprachliches Gymnasium. Zu Hause musste ich nicht viel für die Schule lernen was natürlich ein großer Vorteil war da ich somit viel Freizeit hatte. Die verbrachte ich meistens mit meiner Gastfamilie oder im Stadtzentrum, dem Treffpunkt der Jugendlichen. Nicht zu vergessen ist natürlich der Strand, wo sich im Sommer ganz Policoro versammelt!
Ungewohnt war für mich, dass Jugendliche, insbesondere Mädchen, in Italien sehr stark behütet werden und viel weniger Freiheiten als in Deutschland haben. Die meisten dürfen abends nicht lange weggehen und alleine oder mit Freunden zu verreisen ist eine große Seltenheit. Deshalb waren die Italiener immer sehr beeindruckt und konnten es oft kaum glauben, dass ich wirklich ein ganzes Jahr ohne meine Eltern im Ausland verbringe. Nach meiner Rückkehr wusste ich meine Eigenständigkeit hier in Deutschland jedenfalls wieder zu schätzen.
Das schönste Erlebnis war für mich, wie ich mich richtig in Italien einlebt und dort zu Hause fühlte. Es ist ein tolles Gefühl, die Sprache mit der Zeit zu verstehen und zu sprechen und das Land und die Kultur so gut kennenzulernen, dass alles was anfangs noch neu war, plötzlich selbstverständlich ist.
Dieses Jahr hat mich persönlich sehr weitergebracht und ich denke oft daran zurück. Ich habe immer noch viel Kontakt nach Italien, war schon zwei Mal wieder dort und wurde von meiner Gastfamilie besucht. Mein Jahr in Italien war so eine gute Erfahrung, dass es mich jetzt nach meinem Abitur schon wieder ins Ausland zieht - ab September werde ich nämlich 9 Monate Freiwilligendienst in Bolivien machen.
Allen zukünftigen Austauschschülern wünsche ich eine tolle Zeit im Ausland und viele unvergessliche Erlebnisse!


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